Rosa Aschenbrenner

Die "eiserne Rosa" Aschenbrenner
Eine Politikerin der 20er und der 50er Jahre

Bayerischer Rundfunk, "Bayern – Land und Leute", 19.11.1995

Als die 35jährige Rosa Aschenbrenner 1920 in den Bayerischen Landtag einzog, hatte das Frauenwahlrecht in Deutschland gerade seinen ersten Geburtstag gefeiert. Und die "rote Rosa" entsprach genau dem Schreckgespenst, das die Gegner des Frauenwahlrechts immer heraufbeschworen hatten: frech, polemisch, selbstbewußt, keinerlei Respekt vor der männlichen Autorität – und links, sehr links. Aber sie war eine absolute Ausnahme. Ihre wenigen weiblichen Kolleginnen im Landtag gaben sich da weitaus gemäßigter. Rosa Aschenbrenner war zunächst Abgeordnete für die Sozialdemokraten, dann für die Kommunisten. Ihre engagierten und scharfen Reden waren berühmt-berüchtigt. Nicht selten sorgte ihre volkstümliche Ausdrucksweise aber auch für große Heiterkeit im Plenum. Als die "eiserne Rosa", die sich immer felsenfest vom kommenden Sieg des Proletariats überzeugt zeigte, 1929 ihren Austritt aus der KPD bekannt gab, war die Sensation perfekt. Der eigensinnigen Frau hatte die strikte Parteilinie nicht gepaßt.

1933 kam die entschiedene Nazigegnerin einige Monate in Schutzhaft und wurde danach weiterhin dauernd überwacht. Erst nach 1945 konnte sie sich wieder offen politisch betätigen, was sie zunächst als Landtags-Abgeordnete, dann als Stadträtin in München tat. Wegen eines freimütigen Interviews kam 1956 ein unerwartetes Aus für die engagierte Vollblut-Politikerin. Wegen angeblicher "kommunistischer Umtriebe" wurde ihr Austritt aus der Kommunalpolitik erzwungen, den sie selbst sehr bedauert hat. Ganz konnte die streitbare Frau, die aus kleinbäuerlichen, niederbayerischen Verhältnissen stammte, ihre Finger jedoch nicht von der Politik lassen; bis zu ihrem Tod im Jahr 1967 war sie noch im Bezirksausschuß eines Münchner Stadtteils tätig. 

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