Wie hatte der einstige Negersklave das nur geschafft? Und woher kam das Geld? Nun, Henri Christophe war es gelungen, die Landwirtschaft Haitis neu zu organisieren. Denn die einst gewinnträchtigen Plantagen waren nach der Revolution und dem anschließenden Bürgerkrieg in einen traurigen Zustand geraten. Und vorher hatte die Bevölkerung nichts davon gehabt, weil die Plantagenbesitzer den Löwenanteil der Erträge für sich beanspruchten. Dann waren Leute wie Christophe gekommen. Sie nahmen die Parolen der französischen Revolution wörtlich: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Das konnte einem Mann wie Napoleon keinesfalls gleichgültig sein. Schließlich war die revoltierende Insel Teil seines Kolonialreiches. Also ließ er Haiti von einer riesigen Flotte belagern und brachte die Einwohner in schwerste Bedrängnis. Aber als der französische Oberbefehlshaber Henri Christophe zur Kapitulation zwingen wollte, bekam er von ihm nur zu hören: "Es ist hoffnungslos, irgendwelche Berechnungen bezüglich unserer Sache anzustellen. Die Entscheidung, ein Mensch zu sein, und zwar ein freier Mensch, das ist das Ergebnis meiner Arithmetik!". Bei diesem kühnen Schlagabtausch kam Henri und seinen Haitianern allerdings etwas zu Hilfe, dem die Franzosen nicht gewachsen waren: das Gelbfieber. Napoleon verlor - 30.000 Soldaten und die Insel. Doch nach dem Sieg bekam Christophe Widerstand aus den eignen Reihen zu spüren. Zwei charismatische Rivalen, ehemalige Sklaven wie er selbst, stritten sich mit ihm um die Macht. Christophe scheint allerdings das größere politische Geschick an den Tag gelegt zu haben und blieb schließlich alleine übrig. Er regierte die Insel als König immerhin 9 Jahre lang, zunächst als wohlwollender Souverän, später aber immer eigenwilliger, jähzorniger, tyrannischer. Im Land herrschten zwar Ordnung und Wohlstand, aber Christophs allgegenwärtige Kontrolle brachte das Volk gegen ihn auf. 1820 erlitt der noch immer kraftstrotzende König einen Schlaganfall. Kurz darauf brach eine spontane Meuterei unter den Soldaten aus, die zu einer landesweiten Revolte führte. Am 20. Oktober 1820 zog Heinrich I. von Haiti die Konsequenzen. So stilvoll, wie er seine Herrschaft begonnen hatte, beendete er sie auch: er erschoß sich mit einer goldenen Kugel.



