Dabei waren wir es doch, die damit angefangen haben. Wir Männer haben die ersten Frauenzeitungen entworfen und gemacht, damals im 18. Jahrhundert. Es gab auch schon vorher welche, aber im 18. Jahrhundert, mit dem aufstrebenden Bürgertum, wurden die Frauenzeitungen wichtig als Mittel der Aufklärung. Die Frauen sollten sich nun nicht mehr nur mit Mode und Schönheit beschäftigen, sondern auch mit ihren Pflichten als repräsentative Ehegattin, von der erwartet wurde, daß sie gebildet Konversation machen kann. Die Frauenzeitung als Bildungsanstalt also. Damit es nicht zu lehrerhaft wirkte und um bei den Leserinnen mehr Vertrauen zu wecken, nahmen die männlichen Zeitungsmacher häufig weibliche Pseudonyme an. Das hörte sich nach der Revolution von 1848 langsam auf. Jetzt wurden solche Zeitschriften auch von Frauen gemacht. Gegen Ende des letzten Jahrhunderts, als die Forderungen der Frauenbewegung nach Stimmrecht und besseren Bildungsmöglichkeiten immer lauter wurden, da explodierte der "weibliche Zeitschriftenwald" förmlich. Das Spektrum war groß und reichte von politischen Kampfzeitschriften bis zum konfessionellen Hausfrauenblatt, fast jeder größere Verein hatte seine eigene Zeitung.
1917 soll es in Deutschland rund 170 Zeitschriften gegeben haben, die im weiteren Sinne der Frauenpresse zuzuordnen waren, darunter auch ein Blatt mit dem schlichten Titel "Die Frau". Diese Monatszeitschrift erschien erstmals am 4. Oktober 1893 mit imponierenden 60 Seiten Umfang. Zu lesen waren dort vor allem literarische Texte, also Erzählungen oder Fortsetzungsromane, aber auch Fachbeiträge über Beruf und Ausbildung, über Politik, soziale Probleme und nicht zuletzt über die Ziele der Frauenbewegung, zumindest so, wie sie die Gründerin dieser Zeitschrift, Helene Lange, verstanden haben wollte. Helene Lange war auch Mitbegründerin vom Bund Deutscher Frauen, der sich als Zusammenschluß aller weiblichen Interessenverbände verstand, tatsächlich jedoch vor allem bürgerlich-konservative Kreise vertrat. Nichts zu suchen hatten hier jedenfalls Verbände, die für die Gleichstellung unehelicher Kinder oder gar für die Abtreibung eintraten, denen wurde die Mitgliedschaft strikt verweigert. Helene Lange war nämlich der festen Überzeugung, daß - "die Dauerehe die einzig rechtliche und sittliche Norm des Geschlechtslebens ist". Heute hätte man mit einem solchen Ausspruch sicher gute Aussichten, zum "Pascha des Monats" gewählt zu werden.



