Die UNRRA hatte nach Ende des II. Weltkriegs überall im Land Sammellager für DPs eingerichtet, um sie mit dem Nötigsten zu versorgen. Dort warteten sie dann darauf, in ihre Ursprungsländer zurückzukehren oder in die neue Heimat auszuwandern. Im Sammellager Camp 108, das im Deutschen Museum untergebracht war, trafen zufällig besonders viele ehemalige Studenten und Professoren zusammen, die ihre Wartezeit sinnvoll durch geistige Beschäftigung nutzen wollten. So gab es schon im Sommer 1945 zwanglose Vorträge über Fragen und Probleme des Maschinenbaus. Seit September 1945 konkretisierten sich dann die Pläne für den Aufbau einer vorwiegend naturwissenschaftlichen Universität. Als Grundlage aller Wissenschaft und Symbol der klassischen Bildung war auch eine philosophische Fakultät geplant, die jedoch aus Mangel an Professoren nicht zustande kam. Beinahe wäre der restliche Betrieb auch nicht zustande gekommen, denn die Anfangsschwierigkeiten erwiesen sich als fast unüberwindlich: Vielsprachigkeit und unterschiedlicher Bildungsgrad der Studenten, zerstörte Räumlichkeiten und fehlende Laboratorien, unzureichende Lehrmittel und mangelnde Finanzen und nicht zuletzt zu wenig Professoren mit "Persilscheinen", die also politisch unbedenklich waren, blieben Dauerprobleme der DP-Universität. Außerdem wurde der Lehrbetrieb nur von Semester zu Semester genehmigt, denn die Amerikaner wollten unbedingt verhindern, daß aus der provisorischen Universität eine feste Einrichtung wurde, weil sie die DP-Lager auflösen wollten. Und somit konnten weder Professoren noch Studenten längerfristige Pläne machen. Gegen Semesterende fing immer wieder das große Bibbern an, ob es weitergeht oder nicht. Diese Unsicherheit wollten Studenten und Professoren dadurch beenden, daß sie ihre Hochschule zur "Weltuniversität" hochstilisierten und in vielen Ländern um Unterstützung baten. In einem Aufruf behaupteten die Studenten: "Es hat sich erwiesen, daß unsere einzigartige internationale Universität eine Universität der Zukunft ist, und wir sind davon überzeugt, daß ihre weitere Entwicklung von ungeheurer Wichtigkeit für die Pflege der demokratischen Erziehung sein wird". Die DP-Universität sollte überregionalen, völkerverbindenden Modellcharakter erhalten und als Wiedergutmachung für die nationalsozialistische "geistige Versklavung der Völker" durch Reparationsgelder finanziert werden. Leider waren die Amerikaner anderer Ansicht und verfügten die Schließung der Hochschule. Der Lehrbetrieb wurde mit Ende des Sommersemesters 1947 endgültig eingestellt. Angeblich hing diese Schließung ja auch damit zusammen, daß im amerikanischen Kongreß Befürchtungen laut geworden waren, die vielen Studenten aus dem Osten könnten die Bayern kommunistisch unterwandern.



