In diesem entlegenen Winkel der Welt fand Bertha von Suttner zum Schreiben. Sie verfaßte Reisebeschreibungen, Novellen und Romane, sie eignete sich im Selbststudium ein reiches historisches und politisches Wissen an und trat mit vielen bedeutenden Wissenschaftlern und Schriftstellern in Briefkontakt. Als sich ihre Schwiegereltern nach fast einem Jahrzehnt versöhnungsbereit zeigten, zog Bertha mit ihrem Mann wieder zurück nach Österreich, in die Nähe von Wien. Nun begann ein reges, gesellschaftliches Leben. Das Paar reiste viel und hatte bald einen großen Bekanntenkreis von Intellektuellen und Künstlern, mit denen sie heftige Diskussionen über den ausufernden Militarismus jener Zeit führten. In der Friedensbewegung setzte man damals auf den Fortschritt durch Vernunft. Internationale Schiedsgerichte sollten künftig die Streitigkeiten zwischen den Staaten beilegen, so daß man sich an den Krieg bald nurmehr als barbarisches Relikt aus unzivilisierten Zeiten erinnern würde. Bertha von Suttner war von dieser Idee wie elektrisiert. Die Begegnung mit der Friedensbewegung veränderte ihr Leben grundlegend. Ab diesem Zeitpunkt lebte sie nur noch für den Pazifismus. Zur größeren Verbreitung des pazifistischen Gedankenguts schrieb Bertha einen Roman über das Schicksal einer jungen Frau und die tragischen Auswirkungen des Krieges auf ihr Leben. "Die Waffen nieder!" erschien 1889 und wurde zum wohl meist diskutierten Buch jener Zeit. Tolstoi beispielsweise war begeistert und erhoffte sich dadurch nichts weniger als die endgültige Abschaffung des Krieges. Alfred Nobel fühlte sich durch ihren Einfluß veranlaßt, den Friedens-Nobelpreis zu stiften, den die streitbare Frau als fünfte Preisträgerin 1905 selbst erhielt. In zahllosen Vorträgen, die sie in alle europäische Länder und noch als 70jährige bis nach Amerika führten, versuchte Bertha von Suttner immer wieder Einfluß zu nehmen. Die Gründerin der österreichischen Friedensbewegung, von den Militaristen aller Länder gehaßt und als "Friedensvettel" und "Friedensfurie" verspottet, war bis zuletzt guten Mutes, die Katastrophe einer kriegerischen Auseinandersetzung in Europa aufhalten zu können. Ihre größte Niederlage mußte sie gottseidank nicht mehr erleben: Bertha von Suttner starb am 21.6.1914, genau eine Woche, bevor die Schüsse in Sarajewo fielen, die den ersten Weltkrieg auslösten.



