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Bayerischer Rundfunk, "Bayern - Land und Leute", 4.11.2001
Im Laufe des 19. und vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts siedelten sich immer mehr Christen in unmittelbarer Nachbarschaft zur jüdischen Bevölkerung an, weil die Gegend durch die Eisenbahnlinie, die Landstraße von Memmingen nach Ulm sowie einer florierenden Fabrik enorm an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen hatte. Die anfängliche Zurückhaltung bei beiden Religionsgemeinschaften wich bald einem relativ problemlosen Zusammenleben. Hohe Feste und Begräbnisse wurden ganz selbstverständlich miteinander begangen; auch in den Wirtshäusern oder in den Vereinen saß man gesellig zusammen. Und der Männergesangsverein des Dorfes gab noch im Sommer 1933 wie gewohnt seine Konzerte im „akustisch sehr vorteilhaften Synagogenhof“, bis ein heftiger Rüffel „von oben“ dem ein Ende setzte. Die Synagoge überlebte – zumindest äußerlich – fast unbeschädigt die „Reichskristallnacht“. Sie musste aber an die christliche Gemeinde verkauft werden, die den Bau als Feuerwehr- und Lagerhaus zweckentfremdete. Als nach Kriegsende keiner der 1942 deportierten Altenstadter Juden zurückkehrte, wurde der sakrale Bau in der Ortsmitte zum Stein des Anstoßes und nach heftigen Querelen 1955 abgerissen.
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