Bayerischer Rundfunk, "Geschichte und Geschichten", 3.11.1990
Im Jahr 1952 machte der Auerbach-Prozeß in München Schlagzeilen in der ganzen Welt. Der Hauptangeklagte Philipp Auerbach, "Generalanwalt für Wiedergutmachung" in Bayern, der gewohnt war, mit den "Oberen Zehntausend" im Nachkriegs-Deutschland zu verkehren, wurde in einen schweren Betrugs- und Bestechungsskandal verwickelt. Besonders heikel machte diese Angelegenheit der Vorwurf, der Jude Auerbach hätte sich an den Entschädigungsgeldern für die Verfolgten des Naziregimes vergriffen.
Viel schmutzige Wäsche wurde während des Monsterprozesses gewaschen, der 17 Wochen und 140 Zeugen lang dauerte, viele alte und auch schon wieder neue antisemitische Vorurteile kamen zum Vorschein. Im Verlauf des turbulenten Prozesses mußte der damalige Justizminister Dr. Müller, besser unter dem Namen "Ochsensepp" bekannt, seinen Hut nehmen, weil er seine Mithilfe bei der Klärung des Falles verweigerte, in den auch er verwickelt war. Zwar konnten während des Verfahrens die schwersten Vorwürfe gegen Auerbach alle entkräftet werden, doch wurde ihm nun seine unbürokratische Arbeitsweise, die sich oft nicht an den Amtsweg hielt, zum Verhängnis. Man verurteilte ihn wegen verschiedener kleiner Vergehen am Rande der Legalität zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. In der Öffentlichkeit sprach man von Justizskandal.
Noch in der Nacht nach der Urteilsverkündigung schluckte Auerbach eine Überdosis Schlaftabletten, seine Beerdigung fand unter großer Anteilnahme der Münchner Bevölkerung statt. Jahre später erst wurde Auerbach durch einen Untersuchungsausschuß des Landtags fast völlig rehabilitiert. Die politischen Hintergründe des Prozesses gegen einen Mann, der einigen Leuten wohl zu mächtig und zu unbequem geworden war, konnten jedoch nie geklärt werden.



